"Psychotherapie und Gesellschaft" zur Frage nach der Identität im "globalen Dorf"

Thu, 2005-09-15 00:39.

Was passiert mit unserer Identität, wenn die Grenzen im "globalen Dorf" sich aufzulösen beginnen? Und wie wirkt sich das auf die Psyche und die seelische Gesundheit der Menschen aus? Diese Fragen stehen im Mittelpunkt des diesjährigen Kongresses "Psychotherapie und Gesellschaft", der Ende Juni in Weimar stattfand.

"Viele Menschen empfinden derzeit vor allem die ökonomischen Folgen der Globalisierung als eine existenzielle Bedrohung", erläutert Prof. Dr. Bernhard Strauß, Leiter des Instituts für Medizinische Psychologie am Universitätsklinikum Jena und wissenschaftlicher Leiter des Kongresses. "In einer über das Internet vernetzten Welt mit durchlässigen Grenzen, verschwimmenden nationalen Identitäten und einem von den Zwängen der Globalisierung geprägten Arbeitsmarkt verlieren traditionelle Lebensentwürfe immer mehr ihre Gültigkeit", so Strauß weiter. "Damit entfallen aber auch die Grundfesten, auf die wir unsere Lebenspläne bauen. Das kann zu Verunsicherungen führen und in der Folge auch zu psychischen Störungen wie Angsterkrankungen oder Depressionen". Doch was die einen als bedrohlich empfinden, sehen andere durchaus als Chance. Strauß: "Für manche stellen die verschwindenden Grenzen und variablen Lebensmodelle, die Vermischung der Kulturen und Religionen gerade eine Bereicherung dar". Daher wird auf der Weimarer Tagung auch beides - die positiv wie auch die negativ empfundenen Folgen der Globalisierung und deren Auswirkungen auf die Seele - thematisiert.


"Grenzen - Psychotherapie und Identität in Zeiten der Globalisierung"
2. Weimarer Kongress " Psychotherapie und Gesellschaft", 30. Juni bis 3. Juli 2005, Weimar